Beim Tennengericht der KG Poahlbürger e.V. aus Münster wurde der Präsident der Ehrengarde, Frank Pagalies angeklagt. Der Vorwurf: Spionage.
Neben Frank Pagalies waren am gestrigen Sonntag weitere Personen angeklagt: Bernard Homann, EX-Prinz und Chef der Prinzengarde Münster, Schäfer Heinrich, die erste Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff sowie Roberto Blanco. Die Moderation kam von Harry Wijnvoord.

Und der Präsident der Ehrengarde Stadt Düsseldorf, Leibgarde des Oberbürgermeisters, wehrte sich mit Händen und Füßen. Zuerst versuchte er das hohe Gericht Dr. Bernhard Stähler als Richter, Michael Schaedel als Anklagenden Staatsanwalt und Hermann Beckfeld als Verteidiger mit Killepitsch zu bestechen oder einzulullen. In seiner anschließenden Rede stellte er die geschichtlichen Geschehnisse im Rheinischen und Westfälischen klar, seine Garde kam danach mit musikalischem Frohsinn in die Tenne, doch nur die Einladung auf die große Sitzung 2020 nach Düsseldorf besänftigte das Gericht. Und auch seine Mitangeklagten, den Vorstand der Poahlbürger und den Moderator Harry Wijnvoord lud Frank Pagalies ein. So können wir uns 2020 auf einen illustren Abend bei der großen Blitzsitzung der Ehrengarde freuen. Danach gab es noch eine digitale Collage vom Düsseldorfer Künstler Holger Stoldt, extra für diesen Anlass angefertigt, bevor alle Angeklagten ihren Freispruch als Ehrensenatorenurkunde ausgehändigt bekamen.

Hintergrund:
Das Tennengericht ist eine der bekanntesten Sitzungen in Münster. Seit 1970 laden die Paohlbürger lokale und überregionale Prominenz vor den Kadi, wo sie sich mit ihren Taten auseinandersetzen und sich für diese verteidigen müssen. Wie es sich für ein ordentliches Gericht gehört wird den Angeklagten ein Verteidiger zur Seite gestellt, der versucht, die Anschuldigungen des Staatsanwaltes zu entkräften. Am Ende entscheidet der Richter, ob die Angeklagten einen Freispruch bejubeln oder eine Verurteilung verkraften müssen.
Das Tennengericht ist spontaner Wortwitz. Oft wissen nicht einmal Richter, Verteidigung und Staatsanwalt, in welche Richtung sich eine Verhandlung entwickelt. Schon oft gelang es den Angeklagten, den drei Offiziellen die Verhandlung zu entreißen und die Show zu stehlen. Auf genau diese Momente wartet das Publikum, das sich zum Teil bereits Jahre im Voraus die begehrten Eintrittskarten für dieses einzigartige Event sichert. Und auch auch die Medien – regional und überregional – sind ganz heiß darauf, über das Tennengericht im Paohlbürgerhof zu berichten zu können, denn nur hier lernt man bekannte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte ungeschminkt und in emotionaler Atmosphäre kennen.

Text und Fotos sind frei verfügbar. © Holger Stoldt, Pressesprecher Ehrengarde

Fotos:

Das Gericht und die Angeklagten flankert von den Poahlbuergern
Moderator Harry Wijnvoord
Der Kommandant Volker Henkel kommt zur Befreiung
Der Staatsanwalt liest die Anklageschrift
Die ehemaligen Angeklagten erhalten ihre Ehrensenatorenurkunde
Frank Pagalies ueberreicht das Geschenkbild
Ehrengardenbild fuer Muenster
Dr. Bernhard Stähler als Richter, Michael Schaedel als Anklagenden Staatsanwalt und Hermann Beckfeld als Verteidiger

Hier die Anklageschrift, sowie die Reden von Präsident Frank Pagalies und Kommandant Volker Henkel :

Der Anklagende Staatsanwalt, Michael Schaedel, verlas die Anklage, in der es hieß: „Dem hier geladenen Frank Pagalies, einsamer Feldherr der rheinischen Geselligkeit, wird westfälische schwere Brauchtumsspionage in hohem Maß vorgeworfen. Der Angeklagte führt ein humoristisches Doppelleben: in Düsseldorf eine echt eingesessene Frohnatur suchte im Auftrag des rheinischen Brauchtums seit Jahren den echten und wahren Karneval, weil dieser in seiner Heimat bei weitem nicht so effektiv stattfindet, wie z.B. im heiligen Colonia. Er agiert dabei im Untergrund als rheinischer Brauchtumsspion vor allem nordwärts der Altbierthekenprovinz. Dass er sich dabei bei seinen verzweifelten Spionageversuchen ausgerechnet nach Münster verirrt hat, zeigt, welche kulturelle Spaßnot in der rheinischen Hauptstadtmetropole herrschen muss. Dass er letztendlich bei seinem tollkühnen Unterfangen nicht von allen bösen Geistern verlassen wurde, liegt einzig und allein daran, dass er sich raffinierter Weise bei diesen (d.R.KG Böse Geister, Münster) vorab schon einen Titel (d.R. Ehrengeist) gesichert hat und heimlich deren Vereinslokal zum Zentrum seiner westfälischen Spionageaktionen erklärte. Pfui. Dass er dabei äußert unbemerkt vorgeht, sieht man darin, dass selbst die Geister, die ihn gerufen haben, ihn seltenst zu Gesicht bekommen. Straftat gemäß Paragraf1 des närrischen Spionageabwehrgesetzes in Verbindung mit Paragraf 1b des westfälisch rheinischen Friedensgesetzes“.

Natürlich war Präsident Frank Pagalies gut vorbereitet. So holte er erstmal den Killepitsch raus und schenkte dem Gericht so richtig ein.

In dieser Laune trug er dann seine auch nicht ganz karnevalistischen und nicht wissenschaftlichen Recherche der nicht nur rheinischen Geschichte vor:
„Am 5. Juni 1288 endete die blutigste Schlacht des Mittelalters, die Schlacht von Worringen, mit der Unterwerfung der südlichen Vorstadt der heutigen Landeshauptstadt, damals wie heute „Kolonie“ genannt.
Mit den damals erhaltenen Stadtrechten für Düsseldorf, wurde ein neues Kapitel im Machtgefüge des gesamten Nordwesten Mitteleuropas aufgeschlagen. Ab diesem Zeitpunkt war das Lachen aus der „Kolonie“ verschwunden und der Rheinische Frohsinn regierte von da an in Düsseldorf.
Schon damals im 13. Jahrhundert versuchte man, durch die Bildung rheinischer Städtebünde den Frohsinn wieder an sich zu reißen, was ihnen aber bis heute nicht gelang.
Und auch die Westfalen versuchten im 30-jährigen Krieg, den Rheinländern, genauer gesagt, den Düsseldorfern, ihren Frohsinn zu rauben.
Doch auch da waren die Düsseldorfer schneller, wissen doch alle, dass der Westfale an sich doch schon mal etwas langsamer ist, was sich nicht nur in der Sprache ausdrückt.
Somit ist der Spionagevorwurf „ad absurdum“ geführt und man könnte maximal nur den Vorwurf eines unerlaubten „Chillens“ erheben“.

Natürlich kam diese Richtigstellung bei Gericht und den Anwesenden nicht gut an. Und so gab es auch Buhrufe bei dem Satz: „wissen doch alle, dass der Westfale an sich doch schon mal etwas langsamer ist“. Das Gericht war nicht zufrieden und wollte ihn deshalb auch nicht freisprechen.

So musste Frank Pagalies seine große Karte ziehen: seine Garde. 10 Mann stark kamen sie nach Münster zur Befreiung ihres Präsidenten.

Und der Kommandant Volker Henkel hatte auch einige Argumente mitgebracht: „Hohes Gericht, verehrte Paohlbürger, liebenswerte Westfalen und vor allem, alle hier anwesenden Fortunafans“. Und schon gab es weitere Buh-Rufe und Pfiffe. „Wir, die Ehrengarde der Landeshauptstadt Düsseldorf senden euch den uneingeschränkten karnevalistischen Gruß aller Rheinländer und vor allem von Thomas Geisel, unserem obersten Bürger unser Stadt Düsseldorf, deren persönliche Leibgarde wir sind. Wir kommen in Frieden und freuen uns, dass ihr uns so herzlich empfangen habt. Genauso, wie euer Ruf längs und auch bis zu uns in die Rheinmetropole durchgedrungen ist, aber … – Hohes Gericht: wir haben ein Problem: seit Tagen vermissen wir unseren Präsidenten – ich wurde zu diesem Satz gezwungen – Frank Pagalies. Nur er, und wirklich nur er, hat die Schlüssel zu unseren Verpflegungs- und Getränkekammern, in denen man dieses wunderbare Getränk namens Altbier findet. Für uns eine echte Katastrophe. Zumal die aus dem Dorf mit der großen Kirche stammenden Colonia uns langsam aber sicher mit ihrem Gesöff immer mehr auf die Pelle rücken. Da werdet ihr doch wohl vollstes Verständnis haben, dass wir unseren Frank bei uns im Düsseltal dringend benötigen. Erschreckenderweise müssen wir nun hier erkennen, dass sich unser Chef vor dem Tennengericht einer für uns absurden Anklage zu stellen hat, nämlich der Ausspionage des sprichwörtlich einmaligen westfälischen Frohsinn, um diesen in Düsseldorf dann einzupflanzen. Wir sind darüber zutiefst erschrocken. Und obwohl wir waschechte Rheinländer sind, fehlen uns einfach die passenden Worte, um dieser Situation gerecht zu werden. Manchmal denken wir ja auch, dass unser Frank inzwischen von allen bösen Geistern verlassen ist, aber im Grund seines Herzens ist er ein echt lieber Kerl. – Und Lachen kann er auch, also manchmal – Also, wir haben einen Vorschlag, liebes Gericht, hohes Gericht: Ihr lasst uns mit unserem Präsidenten in Frieden und samt all seiner Schlüssel wieder zurück nach Düsseldorf ziehen und dafür zeigen wir jetzt hier und heute, wie gesellig der rheinische Frohsinn ist. Das machen wir am besten musikalisch“.

Und dann zeigten die Gardisten einen Auszug aus ihrem musikalischen Programm, und der Saal und auch das Gericht schunkelten und klatschten mit.

Und der Richter Dr. Bernhard Stähler war trotz allem immer noch nicht zufrieden. So musste dann Frank Pagalies noch mal nachlegen, und er lud das Gericht und den Vorstand der KG Poahlbürger zur großen Ehrengarde-Sitzung in der Session 2020 ein. Daraufhin erfolgte der Freispruch des Gerichts

Text und Fotos sind frei verfügbar. © Holger Stoldt, Pressesprecher Ehrengarde

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